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Verständlich erklärt

MRT-Arten im Überblick — welche Typen gibt es?

MRT (oder Kernspintomographie) ist nicht gleich MRT: Je nach Bauform, Feldstärke und Einsatzgebiet unterscheiden sich die Geräte teils erheblich. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten MRT-Typen, ihre Vor- und Nachteile — und für wen sich welche Variante eignet.


Wie funktioniert ein MRT grundsätzlich?

Die Magnetresonanztomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, ist eines der wichtigsten bildgebenden Verfahren in der modernen Medizin. Sie arbeitet ohne Röntgenstrahlung und liefert detailreiche Schnittbilder von Organen, Gelenken, Muskeln, Nerven und Gefäßen.

Dabei nutzt ein MRT ein starkes Magnetfeld und Radiowellen, um die Wasserstoffatome im Körper anzuregen. Aus den zurückgesendeten Signalen berechnet der Computer hochauflösende Bilder. Entscheidend für die Bildqualität ist unter anderem die Feldstärke, gemessen in Tesla (T). Je höher die Feldstärke, desto detaillierter sind in der Regel die Aufnahmen — allerdings spielen auch die Bauform und der jeweilige Einsatzzweck eine wichtige Rolle.


Geschlossenes MRT(klassisches Tunnel-MRT)

1,5–3 TeslaRöhrenform · „Bore“Klinik-Standard

Das geschlossene MRT ist der klassische Standard und in den meisten Kliniken und radiologischen Praxen zu finden. Der Patient liegt dabei auf einer Liege, die in eine röhrenförmige Öffnung (den sogenannten Tunnel oder „Bore“) gefahren wird.

Geschlossenes MRT mit klassischer Röhrenform (Bore). Quelle: <a href="https://www.bmfwf.gv.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bmfwf.gv.at</a>
Geschlossenes MRT mit klassischer Röhrenform (Bore). Quelle: bmfwf.gv.at

Vorteile

  • Höchste Feldstärke (meist 1,5 oder 3 Tesla) und dadurch exzellente Bildqualität
  • Kürzere Untersuchungszeiten durch starke Magnetfelder
  • Geeignet für nahezu alle Fragestellungen, auch für feine Strukturen

Nachteile

  • Die enge Röhre kann bei Menschen mit Platzangst (Klaustrophobie) Beschwerden auslösen
  • Für sehr kräftige Patienten teils eingeschränkt nutzbar
  • Höhere Lautstärke während der Untersuchung

Geeignet für: Fälle, in denen maximale Bildqualität gefragt ist — etwa bei neurologischen Fragestellungen, Tumordiagnostik oder detaillierten Gelenkuntersuchungen.


Offenes MRT

meist 0,3–1,0 Teslaseitlich offenbei Platzangst

Beim offenen MRT ist der Untersuchungsbereich nicht als geschlossene Röhre gebaut, sondern zu den Seiten hin weit offen — das Magnetfeld wird über zwei Platten oberhalb und unterhalb der Liege erzeugt. Das nimmt vielen Menschen das beengende Gefühl. Der Preis dafür ist meist eine geringere Feldstärke.

Offenes MRT mit seitlich zugänglicher, weiter Bauform. Bild: <a href="https://medizintechnikmarkt.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">medizintechnikmarkt.de</a>
Offenes MRT mit seitlich zugänglicher, weiter Bauform. Bild: medizintechnikmarkt.de

Vorteile

  • Weite, offene Bauform — deutlich angenehmer bei Platzangst
  • Auch für sehr kräftige Personen gut nutzbar
  • Angehörige können oft näher dabei sein — hilfreich für Kinder

Nachteile

  • Meist geringere Feldstärke — dadurch teils weniger Detail
  • Für sehr feine Fragestellungen manchmal nicht ausreichend
  • Seltener verfügbar, oft längere Wartezeiten

Geeignet für: Menschen mit ausgeprägter Platzangst, sehr kräftige Personen und Kinder — überall dort, wo Komfort wichtiger ist als die maximale Detailauflösung.


Weittunnel-MRT(Wide-Bore)

1,5–3 Teslakurze, breite RöhreKompromiss

Das Weittunnel-MRT ist im Prinzip ein geschlossenes Gerät, dessen Öffnung jedoch spürbar weiter und kürzer ausfällt (typisch rund 70 cm Durchmesser statt 60 cm). So verbindet es die hohe Feldstärke eines geschlossenen Geräts mit mehr Platz — ein guter Mittelweg für viele Patientinnen und Patienten.

Weittunnel-MRT (Wide-Bore) mit kurzer, breiter Öffnung
Weittunnel-MRT (Wide-Bore) mit kurzer, breiter Öffnung

Vorteile

  • Hohe Feldstärke und Bildqualität wie beim geschlossenen MRT
  • Mehr Platz und kürzere Röhre — angenehmer bei leichter Platzangst
  • Auch für kräftigere Personen gut geeignet

Nachteile

  • Weiterhin eine geschlossene Röhre — bei starker Klaustrophobie nicht ideal
  • Nicht in jeder Praxis vorhanden
  • Weiterhin vergleichsweise laute Untersuchung

Geeignet für: alle, die volle Bildqualität brauchen, aber etwas mehr Platz schätzen — bei leichter Platzangst oder kräftigerer Statur oft die beste Wahl.


Upright-MRT(aufrechtes / Stand-MRT)

meist 0,25–0,6 Teslaim Sitzen oder Stehenunter Belastung

Beim Upright-MRT — auch aufrechtes oder Stand-MRT genannt — findet die Untersuchung nicht im Liegen, sondern im Sitzen oder Stehen statt. So lassen sich Wirbelsäule und Gelenke unter dem natürlichen Gewicht des Körpers beurteilen — also genau in der Haltung, in der viele Beschwerden überhaupt erst auftreten.

Upright-MRT — Untersuchung im Sitzen oder Stehen unter Belastung. Bild: <a href="https://medserena.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medserena AG</a>
Upright-MRT — Untersuchung im Sitzen oder Stehen unter Belastung. Bild: Medserena AG

Vorteile

  • Untersuchung unter natürlicher Belastung — ideal bei haltungsabhängigen Beschwerden
  • Sehr offene Bauform, angenehm bei Platzangst
  • Verschiedene Positionen möglich — Sitzen, Stehen oder Beugen

Nachteile

  • Meist geringere Feldstärke — dadurch weniger Detail
  • Nur an wenigen spezialisierten Zentren verfügbar
  • Längere Messzeiten; häufig eine private Zusatzleistung

Geeignet für: haltungs- und belastungsabhängige Beschwerden an Wirbelsäule und Gelenken — etwa wenn Schmerzen vor allem im Stehen oder Sitzen auftreten und im Liegen nachlassen.


Extremitäten-MRT(dediziertes Klein-MRT)

kompaktes Klein-MRTnur Arme & Beinekeine Röhre

Das Extremitäten-MRT ist ein kompaktes Spezialgerät, das ausschließlich für die Bildgebung von Armen, Beinen, Händen oder Füßen gebaut ist. Der Patient sitzt bequem daneben und führt nur die zu untersuchende Extremität in die kleine Öffnung ein — der übrige Körper bleibt vollständig frei.

Vorteile

  • Kein Ganzkörper-Tunnel — dadurch praktisch keine Klaustrophobie
  • Sehr angenehm und platzsparend
  • Fokussierte, hochwertige Bildgebung der Extremität

Nachteile

  • Nur für Arme und Beine — nicht für Rumpf, Kopf oder Wirbelsäule
  • Eng begrenztes Einsatzgebiet
  • Nur an wenigen orthopädisch spezialisierten Praxen vorhanden

Geeignet für: orthopädische Fragestellungen an Gelenken und Gliedmaßen — etwa an Händen, Füßen, Knien oder Ellenbogen. Für Kopf, Wirbelsäule oder Rumpf ist es nicht geeignet.


Intraoperatives MRT(iMRT)

1,5–3 Teslaim OP integriertwährend der Operation

Das intraoperative MRT (iMRT) ist fest in einen Operationssaal integriert und liefert Aufnahmen noch während der laufenden Operation. Vor allem in der Neurochirurgie kann das Team so direkt kontrollieren, ob etwa ein Tumor vollständig entfernt wurde — ohne den Eingriff dafür zu unterbrechen.

Vorteile

  • Kontrolle des Operationsergebnisses direkt während des Eingriffs
  • Hohe Feldstärke und Bildqualität (meist 1,5 oder 3 Tesla)
  • Kann eine erneute Operation vermeiden, z. B. bei Resttumor

Nachteile

  • Nur an wenigen hoch spezialisierten Kliniken vorhanden
  • Sehr aufwendige und teure Infrastruktur
  • Ausschließlich für Operationen, nicht für die Routine-Diagnostik

Geeignet für: komplexe Eingriffe an Gehirn und Wirbelsäule, bei denen es auf millimetergenaue Kontrolle noch im OP ankommt. Für Patientinnen und Patienten keine wählbare Termin-Option, sondern Teil des Klinik-Konzepts.


Feldstärke: 1,5 & 3 Tesla

Neben der Bauform unterscheidet man MRT-Geräte nach ihrer Feldstärke in Tesla (T). Sie beschreibt, wie stark das Magnetfeld ist. Für die allermeisten Untersuchungen genügt ein 1,5-Tesla-Gerät. 3 Tesla liefert eine höhere Detailauflösung, vor allem bei feinen Neuro- und Gelenkbefunden. Niederfeld-Geräte (oft in offenen MRTs) arbeiten mit deutlich geringerer Feldstärke, reichen für viele Standardfragen aber aus. Ultrahochfeld-Geräte mit 7 Tesla und mehr kommen bislang vor allem in der Forschung zum Einsatz.

FeldstärkeBildqualitätVerfügbarkeitTypisch bei
Niederfeld (< 1 T)Solide für Standardbefunde, weniger DetailVor allem in offenen GerätenPlatzangst, kräftige Statur, Kinder
1,5 TeslaSehr gut — deckt die meisten Fragestellungen abBreit verfügbar, oft kürzere WartezeitStandard in Klinik & Praxis
3 TeslaHöchste Detailauflösung, oft kürzere MesszeitSeltener als 1,5 TeslaFeine Neuro- & Gelenkbefunde
Mehr Tesla ist nicht automatisch „besser" für Sie: Welche Feldstärke und welcher Gerätetyp sinnvoll sind, hängt von der Fragestellung ab und entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Die MRT-Typen auf einen Blick

Bauform gegen Bildqualität und Komfort - welcher Gerätetyp wofür spricht.

TypFeldstärkeBildqualitätKomfort / PlatzIdeal bei
Geschlossenes MRT1,5–3 TeslaExzellentEnge RöhreMaximale Detailgenauigkeit
Weittunnel-MRT1,5–3 TeslaExzellentMehr Platz, kurze RöhreLeichte Platzangst, kräftige Statur
Offenes MRTmeist 0,3–1,0 TeslaGut, weniger DetailSeitlich offenStarke Platzangst, Kinder
Upright-MRTmeist 0,25–0,6 TeslaGut, weniger DetailSitzen/Stehen, sehr offenBelastungsabhängige Beschwerden
Extremitäten-MRTgerätabhängigSehr gut für GelenkeNur Gliedmaße im GerätHand, Fuß, Knie, Ellenbogen
Intraoperatives MRT (iMRT)1,5–3 TeslaExzellentFest im OP integriertKontrolle während der Operation
Im Zweifel nachfragen. Diese Seite ersetzt kein ärztliches Gespräch. Welcher MRT-Typ für Ihre Untersuchung der richtige ist, klären Sie am besten mit Ihrer überweisenden Praxis und dem radiologischen Team.

Häufig gestellte Fragen

Kurze Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die MRT-Typen.

Welches MRT ist bei Klaustrophobie am besten geeignet?
Am angenehmsten sind offene MRTs, Upright-MRTs und Extremitäten-MRTs. Auch ein Weittunnel-MRT mit weiterer Öffnung hilft bei leichter Platzangst. Zusätzlich ist häufig ein leichtes Beruhigungsmittel möglich — sprechen Sie das am besten vorab mit der Praxis ab.
Ist ein offenes MRT genauso gut wie ein geschlossenes?
Nicht immer. Offene MRTs haben oft eine geringere Feldstärke und dadurch eine etwas geringere Bildauflösung. Für viele Standarduntersuchungen reichen sie aus — bei sehr feinen Fragestellungen ist ein geschlossenes Hochfeld-MRT aber überlegen.
Was bedeutet die Feldstärke in Tesla?
Tesla ist die Maßeinheit für die Stärke des Magnetfelds. Je höher der Tesla-Wert, desto detaillierter sind in der Regel die Bilder. Übliche klinische Werte sind 1,5 und 3,0 Tesla.
Wann kann man ein Upright-MRT verwenden?
Ein Upright-MRT bietet sich an, wenn Beschwerden vor allem im Stehen oder Sitzen auftreten und im Liegen nachlassen. Weil die Untersuchung unter dem natürlichen Gewicht des Körpers erfolgt, lassen sich Wirbelsäule und Gelenke genau in der Haltung beurteilen, in der die Beschwerden entstehen. Die sehr offene Bauform ist zudem bei ausgeprägter Platzangst angenehm.
Welche MRT-Hersteller gibt es?
Die meisten MRT-Geräte stammen von wenigen großen Herstellern: Siemens Healthineers, GE HealthCare, Philips und Canon Medical. Für offene und Extremitäten-MRTs sind zusätzlich Anbieter wie Esaote oder Fujifilm verbreitet. Für die Untersuchung selbst ist aber weniger der Hersteller entscheidend als Bauform und Feldstärke des Geräts.

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